Ich war viele Jahre nicht mehr in der Halle. Inzwischen stehe ich wieder regelmäßig dort, weil meine Tochter Basketball spielt und ich als Trainer unterstütze. Für die neue Saison bin ich als Trainer der U14 und als Co-Trainer der U16 gemeldet.
Montags und donnerstags bin ich beim Training. Ich erkläre, korrigiere und versuche, den Spielerinnen etwas mitzugeben. Dabei stellt sich irgendwann eine unangenehme Frage: Wie will ich jemanden beim Wurf korrigieren, wenn ich selbst nicht mehr zuverlässig treffe?
Mein eigener Wurf ist inkonstant geworden. Die Kurve ist flach, der Release unsauber. Als Neunjähriger spielte ich in der Altersklasse Elite. Als Jugendlicher stellte ich auf den einarmigen Wurf mit Stützhand um. Kleine Hände hatte ich schon damals. Der Herrenball ist schwer zu halten, aber auch der Damenball löst das Problem nicht automatisch.
Ich bin ein großer Basketballfan und habe selbst von 1989 bis 2006 gespielt, mit einer kleinen Unterbrechung. Michael Jordan ist bis heute mein Lieblingsspieler. Den Basketball der Achtziger, Neunziger und frühen 2000er mag ich besonders. Aber Fan zu sein und wieder einen sauberen Wurf auszuführen sind zwei verschiedene Dinge.
Der Test
Im Juli 2026 habe ich deshalb einen Wurftest gemacht. Ich warf 100 Standwürfe, jeweils 25 von jeder Seite, und filmte sie. Danach wiederholte ich das Ganze mit Sprungwürfen. Zusätzlich bekam ich Beschwerden an beiden Achillessehnen. Vor allem aber meldete sich mein Ellenbogen.
Danach machte ich eine Pause. Zuerst dachte ich, vielleicht sei es einfach zu viel gewesen. Dann kam eine andere Vermutung: Vielleicht liegt das Problem nicht in der Menge, sondern in meiner Technik.
Meine erste Hypothese war, dass ich zu stark aus dem Arm werfe. Beine und Hüfte beteiligen sich vermutlich zu wenig. Dazu kommt möglicherweise ein Problem beim Release. Das sind zunächst nur Vermutungen. Im eigenen Video sieht man schnell das, was man sehen will. Ich brauchte deshalb mehr als mein Gefühl und eine Aufnahme, die ich mir immer wieder selbst erkläre.
Ich brauchte Messwerte.
Aus dem Wurfproblem wird eine App
Die naheliegende Frage war: Kann ich aus einem Smartphone-Video nachvollziehbare Informationen über einen Wurf gewinnen?
Es gibt bereits gute Lösungen. Jumpshot AI ist ein Beispiel. Für meine eigene Umstellung fehlten mir aber Details, die ich gebraucht hätte. Außerdem ist die Anwendung nicht deutschsprachig. Ich wollte keine Bewertung, die einfach sagt, ob ein Wurf gut oder schlecht ist. Ich wollte verstehen, was sich in meiner Bewegung verändert.
Daraus entstand ArcShot.
Die Idee besteht aus zwei getrennten Teilen. Zuerst braucht es eine Mess-Engine. Sie soll aus einem Video Werte ermitteln und bei derselben Aufnahme immer zu denselben Ergebnissen kommen. Darauf baut eine Regel-Logik auf. Sie übersetzt die Messwerte in einen konkreten Hinweis.
Diese Trennung ist mir wichtig. Ich möchte kein undurchsichtiges Urteil aus einer Black Box. Ich möchte nachvollziehen können, welche Messung zu welchem Hinweis geführt hat. Wenn ich über mehrere Wochen an meinem Release arbeite, brauche ich außerdem Verlaufsdaten. Verändert sich meine Bewegung tatsächlich, oder fühlt es sich nur so an?
Messen statt raten
Das klingt zunächst einfacher, als es ist. Ein Smartphone-Video zeigt nicht automatisch alles zuverlässig. Wenn eine Person im Bild klein abgebildet ist, werden einzelne Körperpunkte ungenau. Dann kann die Messung zwar technisch funktionieren, aber trotzdem nicht belastbar sein.
Ein Teil der bisherigen Arbeit bestand deshalb darin, den Spieler zuerst im Bild zu lokalisieren und anschließend einen festen Ausschnitt zu vermessen. Erst dadurch werden die Bedingungen für die Messung stabiler.
Der Mess-Prototyp ist inzwischen abgeschlossen. ArcShot ist aber noch in Entwicklung. Es gibt keine öffentliche Demo und noch keinen Beweis, dass die Anwendung meinen Wurf verbessert. Im Moment ist es ein Werkzeug, mit dem ich eine Hypothese überprüfen möchte.
Mein Ziel ist zunächst sehr persönlich: Ich möchte wieder schmerzfrei werfen können. Dafür muss ich meine Technik so verändern, dass die Belastung nicht mehr hauptsächlich im Ellenbogen landet. Wenn ArcShot mir dabei hilft, erkenne ich vielleicht nicht nur, dass mein Release anders aussieht. Ich kann dann beobachten, ob sich meine Bewegung über die Zeit tatsächlich verändert.
Vielleicht wird daraus später ein Werkzeug für andere Spieler und Trainer. Aber dieser Anspruch kommt erst danach. ArcShot beginnt nicht mit einem fertigen Produkt und auch nicht mit einer abstrakten Geschäftsidee. ArcShot beginnt mit einem alten Problem, einem schmerzenden Ellenbogen und 100 Würfen, die ich nicht einfach meinem Gefühl überlassen wollte.
Bevor ich andere korrigieren kann, muss ich meinen eigenen Wurf wieder verstehen.